Jungbrunnen für die Säge

Jungbrunnen für die Säge

Wenn Profiltec einen Retrofit an einer Sägemaschine vornimmt, löst die neue Siemens-Steuerung nicht nur die Vorgängersteuerung ab, sondern auch den zusätzlich für Positionieraufgaben genutzten PC. Damit steigt auch Wert der Maschinen deutlich.

Metallsägen von Kaltenbach in Lörrach arbeiten oft einige Jahrzehnte bei den Anwendern. Während mechanische Ersatzteile auch nach 20 oder 30 Jahren kein Problem darstellen, gibt es auf der Steuerungsseite dann oft keine Ersatzteile mehr. Auch steigende Anforderungen an die Bedienerfreundlichkeit können nach Jahren nicht mehr erfüllt werden. Eine neue Maschine könnte diese Probleme sicher lösen, doch für Besitzer einer Kaltenbach-Maschine gibt es eine attraktive Alternative: ein Retrofit.

Die Profiltec Spezialmaschinen GmbH hat sich darauf spezialisiert, gebrauchte Sägemaschinen von Kaltenbach von Grund auf zu überholen und steuerungstechnisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Verfügbarkeit sichern

Ziel der Überarbeitung ist es, die Verfügbarkeit der Maschinen für einen längeren Zeitraum zu sichern und die Funktionalität über eine attraktive und übersichtliche Bedienoberfläche zugänglich zu machen. Gleichzeitig ist der Preis ein Thema. Bei jedem Retrofit stellt sich die Frage: Was muss wirklich erneuert werden, was lässt sich vereinfachen und wie lässt sich unter Beibehaltung möglichst vieler bewährter Komponenten ein technisch und wirtschaftlich optimales Ergebnis erzielen?

Typische Maschinen, die derzeit zum Retrofit kommen, bestehen aus einer Sägeeinheit mit einem Drehtisch für die Sägewinkelvorwahl für unterschiedliche Metallprofile. Die Positionierung des zu sägenden Profils geschieht entweder manuell durch den Maschinenbediener gegen einen zählergesteuerten Längenanschlag oder bei automatisiertem Materialnachschub über eine zählergesteuerte Zufuhreinrichtung mit Kugelumlaufspindel. Maschinen aus den 1980er- und 1990er-Jahren sind mit Simatic S5 von Siemens ausgerüstet. Für Positionieraufgaben kommt zusätzlich ein speziell entwickelter PC zum Einsatz. Michael Holzmann, Geschäftsführer von Profiltec, hat gemeinsam mit dem Leiter der Elektroabteilung, Thierry Barrault, eine durchgängige Automatisierungslösung gefunden, die sich leicht an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt. Sie basiert auf Simatic-Controllern, SimaticComfort-Panels und der Projektierung mittels TIA-Portal. Für die Automatisierung einfacherer Sägemaschinen mit Längenanschlag genügt eine Simatic S7-1200 mit integrierten Regel-/ Positionierfunktionen. Die Simatic S7-1500 ersetzt bei Maschinen mit zählergesteuertem Materialnachschub die bestehende S5- Steuerung und übernimmt gleichzeitig die Technologiefunktionen des PC. Die Kapazität der CPU 1 maschine+werkzeug September 2014 159 reicht auch dann, wenn der Nutzer sich nachträglich für die Einbindung einer automatischen Abschnittabfuhr entscheidet.

Technologiefunktionen

Die bei erhöhten Anforderungen an die Positioniergenauigkeit erforderliche Antriebsregelung war bisher Aufgabe eines PC. Die Stellwerte wurden an die CPU der Simatic S5 und über eine Analogbaugruppe der dezentralen Peripherie Simatic ET 200 an den Antrieb weitergegeben. Bei der Retrofit-Lösung übernehmen Motion-Control-Funktionen in der CPU der S7-1500 diese Positionieraufgaben. Sie sind über entsprechende Technologieobjekte einfach zu projektieren. Ein besonderer Clou dieser Lö- sung: sowohl die dezentrale Peripherie ET 200U aus der ursprünglichen Automatisierung als auch der Antrieb können 1:1 bestehen bleiben. Das ist dank der ProfibusUnterstützung der S7-1500 möglich. Die Ist-Position wird über Inkrementalgeber erfasst und über Zählerbaugruppen in der SPS ausgewertet. Die Steuerung errechnet die Stellgröße für die Antriebsgeschwindigkeit, die über den bestehenden Analogausgang der Simatic ET200U an den Antrieb übergeben wird.

Bedienerfreundlichkeit

Die Anforderungen an die Bedienerfreundlichkeit haben sich seit dem Bau der Maschinen wesentlich verändert. Michael Holzmann: »Vor zwanzig Jahren waren LCDAnzeigen sehr innovativ. Heute lassen sich komplexere Maschinen nur mit vollgrafischen Displays verkaufen. Wir haben uns für Simatic-Comfort-Panels mit hochauflösenden Widescreen-Displays entschieden. Realitätsnahe Darstellungen und eine intuitive Bedienerführung erleichtern die Nutzung der Maschine erheblich. Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen dazu.« Teilweise konnten Anwender nicht mehr auf alle Funktionen ihrer Säge zugreifen, weil die Bedienung zu kompliziert geworden war. Die intuitiven Bedienoberflächen der neuen Panels machen es möglich, wieder die ursprüngliche Funktionalität der Maschinen zu nutzen. Darüber hinaus ergeben sich neue, innovative Anwendungsszenarien.

Vernetzung

Sowohl die SPS als auch die Panels verfügen über integrierte Profinet-Schnittstellen. Darüber lassen sich die Maschinen problemlos fernwarten – wenn der Anwender das möchte. Auch die Anbindung an überlagerte Produktionsleitsysteme ist möglich. Michael Holzmann beschreibt einen aktuellen Anwendungsfall: »Ein Betrieb zur Fertigung von Feuerschutztüren hat mehrere Vertriebsstandorte in ganz Europa. Die Vertriebspartner erstellen durch Zugriff auf die Daten der Firmenzentrale direkt kundenspezifische Angebote für die Türen mit allen erforderlichen Produktdaten.« Bei Auftragseingang gehen die Fertigungsdaten direkt in die Materialdisposition und Produktion. Die Fertigungsaufträge lassen sich direkt übertragen und das Firmennetzwerk sendet die Fertigungsdaten der Einzelteile direkt an die Säge. »Soll beispielsweise ein neues Hotel mit Türprofilen ausgerüstet werden, weiß die Säge, wie viele Profile welcher Länge/ Stärke zu dem Auftrag gehören und kann den Arbeitsfortschritt für eine lückenlose Auftragsverfolgung in die Zentrale zurückmelden«, ergänzt Holzmann.

Durchgängigkeit

Profiltec profitiert bei der neuen Automatisierungslösung von der einheitlichen Projektierung der Simatic S7-1200 und S7-1500 über das TIA-Portal. Thierry Barrault konnte beim Retrofit auf die Step5-Programme der Vorgängersteuerung zurückgreifen: »Über Konverter können wir einen großen Teil der bestehenden Programme ins TIA-Portal übernehmen. TIAPortal ist selbsterklärend. Dokumentation und Online-Hilfen unterstützen die Einarbeitung hervorragend.« So konnte er sich die Projektierung im TIA-Portal 2 Die neue Simatic S7-1500 löst bei komplexeren Sägemaschinen nicht nur die S5, sondern auch einen zusätzlich zur Positionierung genutzten PC ab. Das integrierte Display erleichtert die Diagnose. 3 Einsparpotenzial ergibt sich dadurch, dass die dezentrale Peripherie Simatic ET 200 unverändert beibehalten werden kann. 4 Präzises Sägen mit runderneuerten Sägemaschinen von Profiltec. schnell selbst aneignen. »Durch die Möglichkeit, Programmteile aus Step 5 zu konvertieren, für die Regelung mit der S7-1500 vorkonfektionierte Bausteine zu nutzen und Variablen aus dem Steuerungsprogramm per Drag und Drop in die Visualisierung zu übernehmen, waren Einsparungen von mindestens 30 Prozent möglich«, berichtet Barrault weiter. »Die damit verbundene Zeiteinsparung werden Kunden zu schätzen wissen, die beim Entschluss zu einem Retrofit nicht lange auf ihre Säge verzichten können.« Das Retrofit-Angebot von Profiltec ist nicht nur für Besitzer von Kaltenbach-Sägen interessant. Auch Neukunden können sich zwischen einer neuen und einer gebrauchten Maschine entscheiden. Kaltenbach und Profiltec haben dafür einen gemeinsamen Vertrieb.

www.siemens.de

 

Quelle:

Technik Peripherie

http://www.industry.siemens.com/datapool/industry/automation/Tech-Art/2014/FAV-34-2014-IA-AS/FAV-34-2014-IA-AS-V01_DE.pdf

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2 Die neue Simatic S7-1500 löst bei komplexeren Sägemaschinen nicht nur die S5, sondern auch einen zusätzlich zur Positionierung genutzten PC ab. Das integrierte Display erleichtert die Diagnose.

3 Einsparpotenzial ergibt sich dadurch, dass die dezentrale Peripherie Simatic ET 200 unverändert beibehalten werden kann.

4 Präzises Sägen mit runderneuerten Sägemaschinen von Profiltec.